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Begrüßung
Karl Reuster
Nach wenig mehr als 8 Jahren steht auch der Jahrgang 1952 zur Entlassung. Sicher ist das ein Grund, zur Freude, nachdem ihr diesen ersten größeren Hürdenlauf eures Lebens - es werden noch manche folgen - hinter euch gebracht habt.
Nicht alle lagen gleich gut in diesem Rennen - wie könnte dies auch anders sein - aber das Ziel habt Ihr alle erreicht.
Und schon seid Ihr wieder angetreten zum nächsten, wichtigen Lauf, an dessen Ende das berufliche Ziel liegt. Auch hier wird es nicht ohne Anstrengung gehen, denn nichts fällt einem in den Schoß, man muss zuerst darum arbeiten.
Das gilt nicht erst für die spätere Arbeit im Beruf, sondern ebenso gut schon für die Arbeit in der Schule.
Es genügt nicht nur, dass die Schule ein reichhaltiges Angebot bereithält, sondern es muss andererseits auch die Bereitschaft vorhanden sein, dieses Angebot zu nutzen!
Die beste und modernste Schule kann und wird nichts taugen, wenn nicht auch bei den Schülern der Wille vorhanden ist, etwas zu leisten. Das Sprichwort von jenem ominösen Hasen, den man zur Jagd tragen muss kennzeichnet am treffendsten das, was ich meine.
Wir erleben z. Zt. in der näheren und weiteren Umgebung die Umwandlung der Volksschule in die Hauptschule (und es darf uns mit Freude erfüllen, dass diese Wandlung der Volksschule zur Hauptschule bereits vor S Jahren hier ihren Anfang nehmen durfte.
Es freut uns, dass 1/4 der Jungen die Möglichkeiten der Hauptschule nützen und auf weiterführende Schulen übergehen wollen: wird doch damit deutlich, dass die Hauptschule mit ihrem zusätzlichen Englisch- und Mathematikunterricht die Grundlagen schafft, um den Anschluss nach oben zu ermöglichen. So ist es nun durchaus möglich, nach Abschluss der 9.
Hauptschulklasse auch noch die mittlere Reife und sogar noch das Abitur zu erlangen.
Aber auch der andere Teil der Schüler, der nun ins praktische Leben tritt, hat eine sichere Grundlage mitbekommen, und alles
was er benötigt, um nachher voranzukommen.
So kann nun die Fahrt ins Leben beginnen! mit der Sehnsucht nach all dem Neuen, dem Erfolg, dem Aufstieg, dem Wohlstand und
mit all den Träumen, die jeder hegt und zu verwirklichen sucht.
Und doch übersehen wir nicht allzu leicht, dass diese Welt mit der, und in der, wir diese Pläne haben, gefährdet ist!
Als vor wenigen Wochen der Krieg an der Grenze Europas, drüben im Nahen Osten aufflammte, haben wir das wieder einmal deutlich
gespürt. Wir leben in einer Welt der permanenten Krisen, leben mit Vietnam, leben in dieser geteilten und zerrissenen, immer
kriegsbedrohten Welt.
Wird da nicht all unser Schaffen und lernen fragwürdig? Diese Frage ist wirklich akut und wir haben sie auch im
Unterricht gestellt und ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass das eine bitterernste Angelegenheit ist, und dass jenes falsche Heldenpathos, das in weinseligen Musterungsbräuchen seinen Anfang
nimmt, wirklich fehl am Platze ist, sondern dass wir nicht früh genug erkennen, da unsere Berufschancen, unsere Lebenschancen, letztlich alles davon abhängt, ob es gelingt, den Frieden in der Welt zu erhalten!
Darauf kommt es wirklich in erster Linie an! Das heißt dann aber auch für uns, dass es nicht gleichgültig ist, ob wir uns im politischen, gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Leben engagieren.
Gestatten Sie mir noch einige Worte zu unserem Abschlussspiel. Es ist ein etwas schweres und ernstes Spiel und die Mädchen der Parallelklasse haben gestreikt. Ich möchte den ominösen Hasen nicht mehr heranziehen. Sie wollten etwas schönes leichtes spielen.
Wir (die Buben) lasen von dem jungen Schriftsteller Theodor Weißenborn eine
Kurzgeschichte, betitelt: "Im Abraum", die uns so beeindruckt hat, dass wir beschlossen, daraus ein Theaterstück zu schreiben.
Wir haben dies wieder gemeinsam getan und hoffen es nachher mit der von Kl. 8
ausgeborgten Mutter Wenk glatt über die Bühne zu bringen.
Was uns besonders angerührt hat, war das Problem der Schuld, die unlöslich, verknüpft ist mit der Stimme des Gewissens, die man zwar totschweigen, aber niemals auslöschen kann.
Wenn wir am Ende dieses Stückes das eine heraushören könnten, dass GEWISSEN mehr ist, als nur WISSEN, so hätte sich unsere
Mühe gelohnt, und ich würde dann sagen: Nehmt diese Erkenntnis mit auf Euren Lebensweg.
Und nun wünsche ich ... ich darf das auch im Namen von Frl. Niesner, der Klassenlehrerin der Kl. 9 b und aller übrigen Lehrkräfte tun...
Euch alles Gute auf Eurem weiteren Lebensweg! |